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Für Frieden, Gewaltverzicht und Völkerverständigung
Das Helmut-Michael-Vogel-Bildungswerk
der DFG-VK Bayern

Geschichte des Pazifismus

Bertha von Suttner und die Deutsche Friedensgesellschaft – eine alte und immer noch lebendige Verbindung

Beitrag von Guido Grünewald zum Seminar „Friends of Bertha“ anlässlich der Feier zum 175. Geburtstag Bertha von Suttners am 09.06.2018 in Den Haag.

Bericht über die 175- Jahre- Geburtstagsfeier in den Haag

Ein kurzer biografischer Abriss, von Cornelia Mannewitz, für die Bertha-von-Suttner-Stiftung der DFG-VK verfaßt.

Die Aktualität der Bertha von Suttner

Die Grundgedanken und Forderungen der Bertha von Suttner waren: Friedliche Beilegung von Streitigkeiten auf der Grundlage von Völkerrecht und die allgemeine Abrüstung aller Staaten.

Die Idee der friedlichen Beilegung von Streitigkeiten ist seit 1945 in der Charta der Vereinten Nationen und im Statut des Internationalen Gerichtshofes konkretisiert und in Normen gegossen.

Dem „Grundgesetz der Staatenwelt“ wurde freilich von Anfang an zuwider gehandelt - mächtige imperialistische und damals noch kolonialistische Staaten haben immer wieder ihre Militärmacht zur Durchsetzung ihrer Interessen eingesetzt.

Die Charta der Vereinten Nationen kann die mächtigen Staaten und ihre Regierungen nicht dazu bringen, das Völkerrecht zu respektieren. Es ist und bleibt die Aufgabe der BürgerInnen, ihre Regierungen zur Einhaltung des Völkerrechts und vor allem zur Berücksichtigung des Gewaltverbots in den internationalen Beziehungen zu bewegen.

Wie in den Büchern und Reden  Bertha von Suttners ist in der Charta der Vereinten Nationen der Gedanke des Rechts verbunden mit der Vorstellung einer allgemeinen Rüstungsregulierung und einer allgemeinen Abrüstung. Durch ein System der Rüstungsregulierung, so  Art. 26 der UNCharta, solle erreicht werden, dass möglichst wenig Ressourcen der Welt für Militär verschwendet würden.

Der Gedanke einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung war nach dem Zweiten Weltkrieg bis Ende der fünfziger Jahre noch von großer Bedeutung. In einer Vielzahl von Tagungen und Konferenzen wurden Konzepte und Entwürfe  eines Vertrages über allgemeine und vollständige Abrüstung verhandelt. Heute jedoch ist in der Realpolitik der Staatenwelt und im egoistisch und pragmatisch formierten Zeitgeist kein Platz mehr für solche Utopien.

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Friedensnobelpreis

Im Jahre 1905 erhielt Bertha von Suttner den Friedensnobelpreis. Aus Anlass des Jahrestages der Preisverleihung erschien in der Süddeutschen Zeitung vom 5. - 6.12. 2020 eine ganzseitige Würdigung von Alexandra Föderl-Schmid. Eine Erwähnung der real existierenden Deutschen Friedensgesellschaft findet sich im Artikel leider nicht. Eine Erinnerung an die große Pazifistin und Frauenrechtlerin Bertha von Suttner. 

(link auf die online Version)


Buchtipp: "Die Waffen nieder"

Herausgeg. von Guido Grünewald, aus Anlaß des Hundertjährigen Bestehens der Deutschen Friedensgesellschaft, 1992, Donat Verlag Bremen, ISBN No 3-924444-59-5

Restexemplare beim HMV- Bildungswerk erhätlich, auf Anfrage: hmv@dfg-vk.de


 

Friedensbewegung und Pazifismus

sind nicht identisch - zum Verhältnis von Friedensbewegung und organisiertem Pazifismus

finden sich einige Hinweise im Beitrag "Krieg und Frieden" von 1995

Wieviel Frieden darfs denn sein?

50 Jahre Friedensbewegung in sechs Kapiteln

Zur Geschichte der Friedensbewegung in der Bundesrepublik Deutschland. Damit ein Beitrag zur Geschichte des Pazifismus.

Verfaßt im Jahre 1995, damaliger Erkenntnisstand und weitgehend abgeschrieben aus den damals verfügbaren Broschüren und flott gekürzt. Im Abschnitt 70er bis 90er Jahre fließen eigene Wahrnehmungen des Autors ein. Die Erarbeitung war Teil eines Projektes der Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik im Jahr 1995: 1945 – 1995. 50 Jahre Frieden in Deutschland. Der Artikel wurde veröffentlicht in der Broschüre der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - GEW – Landesverband Bayern „Krieg und Frieden“, München 1995. Er war bisher nicht online verfügbar. Der Artikel beruht auf meinem Manuskript von 1995. Abweichungen im folgenden Text gegenüber dem Text in der gedruckten Version sind durch redaktionelle und inhaltliche Bemühungen der Redaktion der GEW erklärbar. Soweit mir die Abweichungen aufgefallen sind, hab ich sie hier erwähnt. Nochmal durchgesehen im Jahr 2 der Pandemie und mit einigen aktuellen Anmerkungen versehen.  Der ganze Text.....

 

 


 

 

 

Seit 130 Jahren gegen den Krieg

Exemplarisch zur  Geschichte der DFG-VK, zur Arbeit von PazfistInnen damals und heute (Artikel von Jan Klauth 2016)

 


Strömungen des Pazifismus und Antimilitarismus

 im Aufsatz werden die verschiedenen Strömungen kurz vorgestellt

Vortrag von Gernot Lennert beim Symposium Zukunft des politischen Pazifismus, Frankfurt/M., 28./29. Januar 2017, veranstaltet von der Bertha-von-Suttner-Stiftung, DFG-VK Bildungswerk Hessen und der DFG-VK Frankfurt

Strömungen des Pazifismus und Antimilitarismus


120 Jahre Deutsche Friedensgesellschaft,

Tagung am 3. Nov. 2012 in Erlangen"

Vortrag von Prof. Theodor Ebert:

Wie politikfähig ist der Pazifismus? Das Potential der gewaltfreien Aktion“

(Abschrift vom Tonträger, redaktionell bearbeitet Th. Rödl)

Fünf Wirkfaktoren der gewaltfreien Aktion:
Texte aus der "Werkstatt für gewaltfreie Aktionen", Baden:
Gewaltfrei Aktiv Nr.40 (Sept. 2011)     und   "Eingreifen in das gesellschaftliche System"

Interview mit Prof.Theodor Ebert

 "Deutsche sind als Friedensstifter prädestiniert"

Aus den Erlanger Nachrichten vom 3.11.2012

Thesenpapier Strategien des Pazifismus von Thomas Rödl, bei der Tagung eingebracht


Einzelne Persönlichkeiten bzw AutorInnen


Alfred Hermann Fried

Am 3. Mai 1931 erscheint in der Sonntagsausgabe des Wiener Blattes »Der Tag« auf Seite eins ein Artikel zum zehnten Todestag von Alfred Fried. Der Artikel ist überschrieben mit »Der Vorkämpfer der Abrüstung«. Schon damals galt, was bis heute wichtig ist: nur durch die stete Arbeit am Frieden, durch das ausdauernde Ringen um Abrüstung, eine internationale Rechtsordnung und die Ächtung von Krieg und Gewalt, nur durch den aktiven Ausbau von solidarischen, weltweiten Bewegungen für Frieden und gegen alle Formen der Gewalt wird sich die Welt zu einem besseren Ort entwickeln.
Alfred Fried hat mit seinem Leben einen Weg aufgezeigt, was das bedeutet. International gut vernetzt, spielt er eine aktive Rolle auf den damaligen Weltfriedenskongressen und fördert die internationale Zusammenarbeit. Als erster professioneller Friedensjournalist und unermüdlicher Publizist prägt er die öffentliche Wahrnehmung der Friedensfrage ebenso deutlich wie seine gute Freundin Bertha von Suttner. Sein Wirken bringt die Völkerrechtswissenschaft als kritische Begleiterin des Weltgeschehens maßgeblich voran; die von ihm gegründete Zeitschrift »Die Friedens-Warte« erscheint bis heute. Dieses Wirken wird auch international wahrgenommen und gewürdigt: eine Ehrendoktorwürde in den Niederlanden, dann 1911 der Friedensnobelpreis. 1921 stirbt Fried verhältnismäßig früh, verarmt und vergessen, aber mit einem Erbe, das bis heute nachwirkt. Obwohl er als Publizist mit weit über 1.000 Artikeln zu Friedensthemen, als Wissenschaftler und Vordenker des Pazifismus unermüdlich tätig war, ist Fried den meisten Menschen heute kein Begriff mehr. Petra Schönemann-Behrens wirft daher einen Blick auf sein bewegtes Leben: seine Wegstationen in Österreich, Deutschland und der Schweiz, seinen direkten Austausch mit allen wichtigen Akteuren der damaligen Friedensbewegungen, sein unermüdliches Ringen um die Idee des Friedens und seine unglaubliche Publikationslust.

Literatur: Schönemann-Behrens, P. (2011): Alfred H. Fried: Friedensaktivist – Nobelpreisträger. Römerhof Verlag, ISBN: 978-3905894103.
Die Gedenkveranstaltung zum 100. Todestag widmet sich dem Leben und Wirken Alfred Frieds in knappen  Beiträgen von Helmut Donat, Petra Schönemann-Behrens und Guido Grünewald.

Hier der Vortrag: Fried 100: Organisiert die Welt! Leben und Wirken des Alfred H. Fried (Petra Schönemann-Behrens)

Dokumentation der Tagung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Martin Niemöller

Niemöller war Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft ab 1957, seit 1958 auch der Internationale der Kriegsdienstgegner, dann der DFG-IdK, ab 1974 Ehrenpräsident der DFG-VK.

Preußisch, prophetisch, pazifistisch

Der evangelische Theologe und NS-Widerstandskämpfer Martin Niemöller setzte sich für Frieden und Gerechtigkeit ein.

Der Theologe Martin Niemöller verkörperte wie kein Zweiter das vergangene Jahrhundert mit all seinen Brüchen und Widersprüchen. Preußisch bis zur Halskrause, militaristisch, deutschnational, provokativ, versöhnungsbereit, revolutionär und zuletzt mit seiner Verdammung der Atomtechnologie und des „schnöden Mammons“ auch prophetisch. Mit seinem leidenschaftlichen Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit brachte er so manchen Amtsträger zur Weißglut und avancierte für die junge Generation zum Hoffnungsträger. >>

Hier der ganze Text: https://www.ekd.de/martin-niemoller-theologe-widerstandskampfer-13095.htm 

Aktuelle Kontroverse über Martin Niemöller

Artikel von Hauke Thoroe in der Zivilcourage, Magazin der DFG-VK, sowie eine Reihe von Leserbriefen und Kommentaren.

Kommentar von Thomas Rödldazu:  "Völker hört die Signale", ungekürzt im PAX AN 1-21


Hans Paasche

Hans Paasche wurde am 3. April 1881 in Rostock geboren. Sein Vater, Hermann Paasche, war Wirtschaftswissenschaftler.

1900 trat Hans Paasche in die Kaiserliche Marine ein. Ab 1904 war er Offizier auf einem Kreuzer vor der Küste Deutsch-Ostafrikas.

Kurzbiografie zum Weiterlesen

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hans_Paasche

ein aktueller Artikel von Helmut Donat. (nur für JW Abonenntinnen ganz zu lesen

https://www.jungewelt.de/artikel/381199.geschichtswissenschaft-den-toten-die-wahrheit.html

praedikat: sehr lesenswert, gut lesbar, lustig, inhaltsschwer zu erwerben

https://packpapierverlag.de/?product=lukanga-mukara

zum Einlesen: https://www.projekt-gutenberg.org/paasche/lukanga/lukanga.html

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„Ehre, wem Ehre gebührt!“ - Hans Paasche ehren! Ein Aufruf aus den Städten Bremen und Rostock

Hans Paasche war ein Denker von beklemmender Modernität. Seine Schriften und sein Engagement weisen ihn als herausragende Persönlichkeit der Jugend-, Ökologie-, Lebensreform- und Friedensbewegung aus und geben Einblick in seine Wandlung vom Marine- und Kolonialoffizier zu einem bedeutenden Fürsprecher der Völker Afrikas und zugleich zu einem unerbittlichen Ankläger des deutschen Militarismus. Vieles von dem, was er gesagt und geschrieben hat, lädt uns ein, unsere heutige Haltung zu den Fragen von Krieg und Frieden ebenso zu überdenken wie unser Verhältnis zu Natur und Umwelt.

Paasche, am 3. April 1881 in Rostock geboren, ist einem großbürgerlichen Elternhaus aufgewachsen. 1900 trat er auf Drängen seines Vaters, des späteren Reichstagsvizepräsidenten Hermann Paasche, in die Kaiserliche Marine ein und war ab 1904 als Offizier auf einem Kreuzer vor der Küste Deutsch-Ostafrikas eingesetzt. In diese Zeit fiel auch seine Teilnahme an der brutalen Niederschlagung des Maji-Maji-Aufstands 1905/07, was einen Wandlungsprozess einleitete.  Zwei Jahre später verließ er die Marine. Der Kapitänleutnant a.D. heiratete und kehrte zusammen mit seiner Frau nach Afrika zu einer Expedition nach den Quellen des Weißen Nils zurück. Seine Liebe zu diesem Kontinent und seinen Menschen äußerte sich in seiner 1912 zunächst in Briefform veröffentlichten kolonialismuskritischen Publikation „Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland“, die nicht nur dem Hohenzollernreich einen entlarvenden Spiegel vorhielt.

Zu Kriegsbeginn 1914 meldete sich Hans Paasche in die Marine zurück, die ihn aber 1916 wegen seiner antimilitaristischen Haltung entließ. Er ging in den politischen Untergrund. 1917 inhaftiert, wurde ihm Aufforderung zum Hochverrat vorgeworfen. Um einem Prozess von öffentlichem Aufsehen aus dem Weg zu gehen, erklärte man ihn für geisteskrank und nahm ihn in einem Sanatorium in Schutzhaft. Im November 1918 von revolutionären Matrosen befreit, wirkte er bis zur Entmachtung der Räte als Beauftragter für Auswärtiges und Waffenstillstandsbedingungen des Vollzugsrats der Arbeiter- und Soldatenräte. Nach dem Tod seiner Frau im Dezember 1918 lebte Paasche mit seinen vier Kindern auf seinem Gut „Waldfrieden“ (heute in Polen). In seinen Schriften kritisierte er die Schuldigen am Krieg, setzte sich für soziale Gerechtigkeit und ökologisches Wirtschaften ein. Ausdrücklich begrüßte er den Verlust der deutschen Kolonien.  Am 21. Mai 1920 wurde er von rechtsradikal gesinnten Reichswehrsoldaten bei einer Hausdurchsuchung „auf der Flucht“ erschossen. Der Mord blieb ungesühnt.

Hans Paasche ist ein überzeugender historischer Zeuge für die längst überfällige Würdigung einer anderen Traditionslinie in der deutschen Geschichte. Die Erinnerung an sein Leben und Wirken gehört in den öffentlichen Raum, sie gehört zum demokratischen Diskurs in unserer Gesellschaftund nicht zuletzt als wichtiger Beitrag zur heutigen und künftigen Erinnerungskultur.

Seit kurzem bemühen sich Einzelpersonen und Initiativen in Rostock und Bremen, das Gedenken an ihn wachzuhalten. In welcher konkreten Form dem stattgegeben wird, mag vor Ort entschieden werden.

In Bremen ist inzwischen der Vorschlag gemacht worden, das ehemalige „Bundeswehrhochhaus“ nach Hans Paasche zu benennen. Allerdings müsste die „Gewoba“ (Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft), die das Gebäude übernommen hat und zu großen Teilen der Stadt bzw. dem Land Bremen gehört, sich ebenfalls dafür aussprechen.

Wir bitten Sie, diesen Aufruf durch Ihre Unterschrift zu unterstützen, um so der Verwirklichung unseres Anliegens in den beiden Städten größeres Gewicht zu geben. Vorschläge und Mitarbeit sind willkommen.

Helmut Donat, Bremen                                                              Dr. Cornelia Mannewitz, Rostock


Gustav Landauer

Ein Kämpfer für Freiheit und Menschlichkeit (Artikel vom mai 2020)

Ein Blick auf unsere Geschichte: Gustav Landauer wurde im April vor 150 Jahren geboren

Gustav Landauer dürfte vielen politisch und historisch interessierten Menschen durch die Münchner Räterepublik von 1919 bekannt sein. Er war gewaltfreier Anarchist, Rätesozialist, Übersetzer, Schriftsteller und Philosoph. Im Berlin ist er Ende des 19. Jahrhunderts als Agitator, Vorkämpfer für Sozialismus und Anarchismus, durch Zeitschriften, Vortragsreisen und schriftstellerische Tätigkeit in Erscheinung getreten.

Er schuf ein enormes Werk an Literatur und vor allem politischer Philosophie, das Libertäre auf der ganzen Welt beeinflusste. Denn für Landauer war die Revolution untrennbar verbunden mit einer Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen. Der werdende Mensch sollte sein revolutionäres Potenzial in Gemeinschaftsprojekten ohne Privateigentum entwickeln.

Am 7. 4. 2020 wäre sein 150. Geburtstag zu feiern gewesen. Aus diesem Anlass hat Rita Steininger eine neue Biografie vorgelegt: Gustav Landauer. Ein Kämpfer für Freiheit und Menschlichkeit.

Rita Steininger hat seine Tagebücher und die vielen Briefe ausgewertet und so gelingt ihr ein sehr persönliches und plastisches Porträt. Nicht nur Landauers literarische und politische Arbeit wird deutlich, sondern das Buch erzählt auch von seinen Freundschaften, Liebschaften, Heiraten und Vaterschaften; von seiner immer schwierigen materiellen Lage, häufigen Ortswechseln, politischer Verfolgung und Inhaftierung.

Landauer ist Pazifist

Landauer ist grundsätzlich gegen den Krieg. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges wirbt er für einen Massenstreik zur Verhinderung des Krieges. Er bildet zusammen mit anderen Intellektuellen einen internationalen Kreis zur Einigung der Völker. 1915 wirkt er mit beim anti- annexionistischen „Bund Neues Vaterland“.

Er wird Mitverfasser des Gründungsaufrufs für eine „Zentralstelle Völkerrecht“ in Frankfurt am Main, an der auch die Deutsche Friedensgesellschaft beteiligt ist.

In einem Brief an den amerikanischen Präsidenten Thomas Woodrow Wilson formuliert Landauer Vorschläge für eine neue Friedensordnung: Es brauche eine internationale „öffentlich-rechtliche Institution, eines internationalen Kongresses, dessen Beschlüsse obligatorisch sind und erzwungen werden können“. Die Umsetzung der Friedensregelungen müßten aber „in jedem Lande durch die Energie des eignen Volkes erzwungen werden“!

Landauer in der Räterepublik

Gustav Landauer wird als ein Vordenker der Revolution von 1918 bezeichnet. Kurt Eisner hat ihn nach München gerufen. Er wurde Volksbeauftragter für Volksaufklärung, Unterricht, Wissenschaft und Künste in der kurzen Phase vom 7. bis 13. April 1919. Die Machtübernahme der anarchistischen Intellektuellen in der chaotischen Lage nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die autoritär, katholisch und monarchistisch geprägte Bevölkerung in Bayern hatte reale andere Probleme; die Ideen von Sozialismus und Anarchismus hatten keine Massenbasis.

Gewaltfreiheit

Landauer war auch gewaltfreier Pazifist – anders als manch andere Persönlichkeiten im bürgerlichen Pazifismus vor dem Ersten Weltkrieg. „Ein Ziel lässt sich nur erreichen, wenn das Mittel schon in der Farbe dieses Zieles gefärbt ist. Nie kommt man durch Gewalt zur Gewaltlosigkeit.

Auch in den wenigen Tagen der Räterepublik ist er gegen „blutige Gewalt“ eingetreten. Damit meinte er, die Revolution dürfe sich verteidigen, sollte aber nicht von sich aus mit blutiger Gewalt gegen andere vorgehen.

Tragischerweise wurde er am 2. 5. 1919 von einer aufgeheizten Soldateska auf besonders brutale Art erschossen und erschlagen.

Landauer hat sich trotz vieler Schicksalsschläge mit aller Kraft für die Freiheit des Individuums und für ein humanes Miteinander eingesetzt. „In diesem unbeirrbaren Engagement kann er uns noch heute ein Vorbild sein.“

Rita Steininger: Gustav Landauer - ein Kämpfer für Freiheit und Menschlichkeit. Volk Verlag, München 2020

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